Ausstellungseröffnung
17. Januar 2026
17:00 Uhr

IM OSTEN
Gruppenausstellung

Was ist der Osten? Ein geografischer, politischer oder emotionaler Raum? In der Gruppenausstellung versammeln sich künstlerische Positionen und Blickwinkel von Arbeiten, Ideen und Perspektiven aus dem Osten, über den Osten mit biografischen und künstlerischen Bezügen zum hier und östlichen Ländern. Eine Ausstellung zwischen Herkunft und Horizont. Die Gruppenausstellung war im Rahmen von „KUNST HEUTE – Zeitgenössische Kunst erleben in Mecklenburg-Vorpommern“ vom 28.9. bis zum 5.10.2025 auf Schloss Bröllin zu sehen.

1 NINO DZANDZAVA    Cyanotypie
In ihrer Arbeit »Blue Notebook« zeigt Nino Dzandzava Impressionen aus der Zeit vor dem Georgisch-Abchasischen Krieg 1992/93. Kombiniert werden Cyanotopien mit Stimmen von Zeitzeugen aus geführten Interviews. Die Arbeit reflektiert postkoloniale und Kriegstraumata sowie durch Krieg bedingte Migration.

2 EVA VON SCHIRACH   Videoinstallation
Im Alltag sind wir alle unterwegs, kennen uns mehr und weniger aus. Wir sehen und übersehen unterschiedlich. Diesen unspektakulären, individuellen Erfahrungsraum betritt Eva von Schirach, um mit anderen darin zu spielen: Was hält euch, was halten wir, was hält uns zusammen? Durch die künstlerische Zusammenarbeit entsteht kein abgeschlossenes Werk, sondern eine offene Bühne.

3 CHRISTOPH ENGELHARDT
    Malerei, Skulptur
Manchmal ist Pappe besser als Stein. Sometimes ist Pappe lesser than Stein. Leichter weicher. Selten genug. Nicht schlechter. Doch seichter als echter Betrug. Wenig solide. Gibt vor oder nach. Wenn man’s denn wendet und dreht. Erleichtert am Ende wenn es noch steht. Wie ein Stein. Am Ende bleibt Pappe. Am Ende ganz klein vielleicht nur Attrappe sein.

4 CLAUDIA NEUHAUS
   Fotografie
Die Aufnahme vom Inneren des Cockpits eines abgebrannten Ford Mustang entstand im Juni 2020, nachdem Unbekannte drei Automobile der Luxus-Klasse am Arkonaplatz in Berlin-Mitte angezündet hatten. Sie ist Teil der Serie VINETA, die zwischen 2017 und 2023 entstanden ist:
„Vineta, Vineta, du rieke Stadt, Vineta sall unnergahn, wieldeß se het väl Böses dahn.“
– Die letzte Warnung der Wasserfrau, an die Einwohner Vinetas gerichtet, die in ihrer Hybris nicht an den angedrohten Untergang ihrer Stadt glaubten. Der Sage nach ging Vineta bei einem Sturmhochwasser unter.
Wie und wo das „Atlantis der Ostsee“ einst versank, bleibt bis heute rätselhaft und liefert Anlass zu allerlei Thesen und Forschungen. Der historische Kern der Sage geht wahrscheinlich auf die Überlieferung zu der hochmittelalterlichen Frühstadt zurück, die auch unter den Namen Jumne, Jomsburg, Julin o. ä. bekannt ist.

5 SULTAN VIRK   Malerei
„Ich bleibe“
Sultan bleibt.
Nicht als Geste, sondern als Zustand.
Ein Dableiben im eigenen Körper, im Blick, in der Verletzlichkeit.
Seine Arbeiten entstehen aus Nähe und Widerstand zugleich aus dem Versuch, sich nicht zu glätten, nicht zu erklären, nicht zu verschwinden.
Sultan malt Gesichter, die nicht gefallen wollen.
Sie halten aus. So wie er.

6 HANS-GERD PYKA   Zeichnungen, Bücher
Hans-Gerd Pykas künstlerische Praxis hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Geblieben ist die Bedeutung von Literatur, Kunst und Film – doch das Wichtigste ist Familie. Schon als Kind zeichnete erleidenschaftlich, später kam das Schreiben hinzu. Berlin wurde zum Wendepunkt: Studium, Werkstätten, Radierungen, Texte. Heute stehen Literatur, Kunst und Film gleichwertig nebeneinander, als sich ergänzende Ausdrucksformen.

7 JOHANNA TIFFE
KI   bildgenerierender KI
Die Arbeit „Hunt2Make“ zeigt die Arbeitsweise bildgenerierender KI. Sie besteht aus fünf Sequenzen á 144 Bildern. Als Prompts dienten abstrakte essenzielle Fragen zu KI. Verbindendes Element ist eine spannende QR-Code-Schnitzeljagd. Auf diejenigen, die das Ziel erreichen, wartet eine Überraschung.

8 CHRISTOPH MISSALL
   Produktdesign
Pfeffermühlen aus dem 3D-Drucker: digital entworfen, aus recyceltem Material gefertigt, funktional und zugleich ästhetisch. Die Drehbewegung des Mahlens spiegelt sich in der verdrehten Gehäuseform wider. Neben fertigen Objekten sind Prototypen zu sehen. Helle Farbtöne statt Schwarz-Weiß machen das Design zu einer Einladung zur Freude bei jeder Drehung.

9 CHRISTOF HUSEMANN / husemann laboratory
   Malerei (Die frühen Jahre)
In den 90er-Jahren erlebte ich den Osten als Spielwiese, der Clubkultur. In dieser Szene war meine Kunst, die sich zwischen Tribalart, Popart, Comic und Lichtkunst bewegte, willkommene optische Erweiterung.
Ich zeige Blacklight-Zeichnungen von 1990, die den Song „Tobacco Road“ von Eric Burdon illustrieren.

10 CHRISTIAN KABUSS   
Malerei
Die Arbeit von Christian Kabuß kreist um die tätige Wahrnehmung mit allen Sinnen: Fahrräder rollen den Altkalener Gipfel hinab, finden Wege, kehren zurück. Dieses physische Erleben verbindet sich mit der Geste des Malens – Handbewegung, Material, Raum. Es geht um Intensität, Beziehungen, Schönheit und Schmerz. Zeichnungen aus Bleistift und Aquarell öffnen eine helle, reduzierte Malerei für poetische Hybride.

11 MICHAEL GRAESSNER
  Videoinstallation
Der Übergang von West-Berlin zur Transitstrecke durch die DDR: zwischen den Geschwistern im Pkw sitzend, schweigende Eltern, Grenzsoldaten im Regen, Waffen im Anschlag. Michael Graessners aller erste Erinnerungen an das Gefühl Angst. Hier schlüpft er in die Rolle des Geheimagenten James Bond. Der vorliegende Animationsfilm ist von 1986.

KURATOR:INNEN

Fabian Olbrich
Gründer und Lektor des unabhängigen Verlags Bartels&Bleil. Verlag für ästhetischen Widerstand. Neben der Publikation von Büchern liegt ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Konzeptionierung, Planung und Durchführung von literarischen und künstlerischen Veranstaltungen.

Linda Spokojny
seit 2001 in der Kreativbranche, beschäftigt sich mit Kommunikation in unterschiedlichsten Formen. Bei ihrer Arbeit interessieren sie am meisten Menschen, Institutionen und Ideen im Kontext von Zeitgeist, Unternehmens- und Gegenwartskultur. Sie gestaltet, schreibt und lebt in Berlin.