Art100 in Berlin
29.01.–22.02.2015

Ablikim Gheni
Bextiyar Abdurihim
Gülzar Ehmed
Elhamjan
Ghalip Abliz
Nurmuhammat Ibrahim
Senewer Ablimit
Saydimemet Rozimemet
Merhaba Schaich
Nijat Hushur
Polat Tayir

Ausstellungsprogramm

Do 29.01.2015 um 17 Uhr Ausstellungseröffnung


Art100 in Berlin

29.01.–22.02.2015

Ablikim Gheni
Bextiyar Abdurihim
Gülzar Ehmed
Elhamjan
Ghalip Abliz
Nurmuhammat Ibrahim
Senewer Ablimit
Saydimemet Rozimemet
Merhaba Schaich
Nijat Hushur
Polat Tayir

Im Zentrum dieser Ausstellung stehen die ausgewählten Werke von 11 Mitgliedern der Künstlergruppe «Art100»,
die sich in der autonomen Region Xinjiang im Nordwesten Chinas im Jahr 2013 über eine Social Media Plattform formiert hat. Die rund 100 Kunstschaffenden der Art100 fühlen sich keiner bestimmten Stil- oder Kunstrichtung verpflichtet. Sie pflegen in einem intensiven Netzwerk Meinungs- und Erfahrungsaustausch auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene.


Nurmuhammat Ibrahim, Anar (Granatapfel), 2014, Öl auf Leinwand, 130x 163cm

Nurmuhammat Ibrahim
Mit seinen selbst erfundenen Codes und Figuren, versucht er seine utopische Welt des Friedens und der Liebe zu visualisieren. Z. B. die Form des Wassertropfens, das Gesicht ohne Mund oder Augen, etc. Das regt den Betrachter zum Entziffern an und inspiriert und begleitet ihn in die fantastische Welt des Künstlers. Er stellt aus seiner künstlerischen Sicht die Frage an die biologische Wirklichkeit des Menschen: Was wäre, wenn wir ein Leben lang fasten könnten? Würden Luft und Wasser reiner, die Gier nach materiellem Konsum geringer?
Seine gestalterische und konzeptuelle Vorgehensweise entwickelt er durch die Untersuchung und Anlehnung an die alte buddhistische Kunst der Uiguren, der Islamkunst, der Architektur und auch der persönlichen Interpretation der Mythen der alten Seidenstrasse.

1981         geboren in Kashgar in Xinjiang
2001 – 2005  Studium an der Fine Art College of Xinjiang
2005 – 2014  arbeitet als Künstler am Tengritagh Film Studio in Ürümchi

 


Elham, Keriye No.1, 2013, Öl auf Leinwand, 50x 60 cm

 

Elham
Die aktuellen Ansichten des alten Stadtviertels sind beliebte Motive seiner Malerei. Die Lehmhäuser, die mit uralter Bautechnik gebaut wurden und ökologisch bestens ans Wüstenklima und an die Landschaft der Oasen der Taklemakan angepasst sind, werden langsam im Baustaub der modernen Betonhäuser verschwinden. Der kühle graue Farbraum lässt den Betrachter ruhig in liebevoll gemalten, interessanten Details der Architektur verweilen.

1979        geboren in Xinjiang
2002 – 2006 Studium in Art Education Fakultät, Pädagogischen Institut in Ürümqi, Xinjiang
2012 – 2013 Weiterbildung in Fine Art University of Chongqing in China


Gülzar Ehmed, Painting Records, visuelle Tage Buch (Deteil), 2012 - 2014 Grösse: 11 x 8 x 3.5 cm

Gulzar Ehmed
Gülzar Ehmed zeichnet und schreibt seit 2012 in ihr visuelles Tagebuch - manchmal täglich, manchmal auch gar nicht. Aber die Spuren der vorherigen Seite treffen immer mit der aktuellen Seite zusammen, wie die Wechselbeziehung des Moments und der Erinnerung. Obwohl ihre Zeichnungen selbst eine Momentaufnahme ihrer Gegenwart sind, zeichnet sie sich gerne „wie sie als Kind war“ aus den Augen eines Jugendlichen und sieht das als Selbstporträt an.

1988         geboren in Karamay, Xinjiang
2006 – 2007 Vorkurs an der Central Academy of Fine Arts (CAFA) in Beijing
2007 – 2011 Studium am Institut für Modedesign an der CAFA in Beijing
2012 - 2013 Kunstlehrerin an der Grundschule Nr. 6 in Karamay, Xinjiang

www.gulzarehmed.lofter.com

Senewer Ablimit
Frau Ablimit experimentiert schon seit 12 Jahren mit dem «Malen» mit Perlen und Schmucksteinen. Sie entwickelt aus der Basis des Kunsthandwerks und der Kunstmalerei ein eigenes gestalterisches Medium, das sich an der Rezeption und der ästhetischen Kommunikation der lokalen Menschen annähert, aber auch der Tendenz der Gegenwartskunst entspricht.
Der Schmuck der Uiguren ist oft aus Gold, Silber, Bernstein, Achat, Jade, Perlen und vielen anderen exotischen Schmuckmaterialien. Die Tradition des Schmü- ckens bei Uiguren als ästhetische Äußerung ist auch in Kleidung, Architektur ebenso wie im Kunsthandwerk manifestiert und geht bis zum schamanistischen und buddhistischen Ursprung der lokalen Bevölkerung zurück. Das Arbeiten mit glitzernden Schmuckmaterialien als gestalterisches Medium ist für Senewer Ablimit nicht nur wegen des Materials faszinierend, sondern auch weil sie aus dieser besonderen kulturellen Ausprägung hinaus ihre ethnisch/kulturelle Identität untersucht.

1967         geboren in Ghulja, China
1992-1996    Studium am Institut für Kunst in Ürümchi, Xinjiang
1996 - 2014  Kunstlehrerin an der Mittelschule Nr. 36 in Ürümchi, Xinjiang


Ghalip Abliz, Der Baum, 2014, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm

Ghalip Abliz

Sein ästhetisch-gestalterisches Interesse liegt in seinen expressiv-figürlichen Motiven, die durch Intuition und Zufallsprinzip im Malprozess entstehen. Während er stark am Farb- und Stimmungsraum arbeitet, entscheidet er sich intuitiv für ein Motiv, das sich durch wenige Linien und Pinselführungen vergegenständlichen lässt. Inhaltlich versucht er seine persönliche Wahrnehmung von sozialen und natürlichen Lebensräumen in Xinjiang zu verbildlichen.

1970*
1989 - 1992 Studium in Institute of Fine Art Education in Xinjiang Normal University,
20013 -2014 Weiterbildung in Fine Art University of Chongqing in China
1992 – 2014Arbeitet als Kunstvermittler in Kulturzentrum Bortala in Xinjiang



Saydimemet Rozimemet o.T. 2014 Wasserfarbe auf Reispapier 88 x70cm

Bextiyar Abdurehim
Im Mittelpunkt seiner künstlerische Arbeit steht die Auseinandersetzung mit der Interaktion, Kontinuität und dem Zyklus der Dinge und des Geschehens. Er glaubt, dass es nichts gibt, das ganz in sich geschlossen zur Bedeutung kommt. Dies veranschaulicht er in seiner «Fleisch-Serie», in dem er sich um die ganzheitliche Wahrnehmung des Raums und Gegenstands bemüht. Für ihn steckt im Hintergrund, der für den Spielraum der Möglichkeiten und der Unendlichkeit steht, mehr Wahrheit als in der Abbildung des Gegenstands selbst.

1972              geboren in Kashgar.
1998 - 2000   Studium am Institut für Kunst in Ürümchi, Xinjiang
1992 – 1998   Kunstlehrer an der Oberschule Nummer 14 in Ürümqi, Xinjiang
2000 – 2014   arbeitet als Dozent am Pädagogischen Institut in Ürümqi, Xinjiang

 
Ablikim Gheni, Glücksstrasse , 2013, Öl und Acryl auf Leinwand, 100x73cm

Ablikim Gheni
*1976 in Bortala in Xinjiang


1993 – 1997  Studium am Fine Art College of Xinjiang
1999 - 2014  arbeitet als Bühnenbilddesigner am Theater Ürümqi

Er malt keine Weizenfelder mit goldener Ernte, die in der Malerei Xinjiangs üblich sind, stattdessen malt er eine goldene aber schwebende Leere als Hintergrund für seine Bauernszenen. Dadurch verkörpert er seine Sehnsucht nach Frieden. Seine Werke sind oft verknüpft mit dem gesellschaftlichen Wandel Xinjiangs, der Metropolisierung. Seine Figuren sind sehr charaktertreu und realistisch gestaltet, so wie man ihnen überall in Xinjiang begegnen und wie man sie wiedererkennen könnte. Träume und Sorgen der uigurischen Bauern sind für Ablikim eine Inspi- rationsquelle für die künstlerische Arbeit.


Saydimemet Rozimemet, Ohne Titel, 2014, Wasserfarbe auf Reispapier, 88x70cm

Saydimemet Rozimemet (Saydi)
Der 1968 in Hotan, Xinjiang (CN) geborene Seydi gehört weder zur staatlichen noch zur akademischen Kunstszene Chinas. Er hat sich das Malen selbst beigebracht. An seinem unbeschwerten Malstil, den er seit Jahrzehnten durch zahlreiche Experi- mente mit Acryl, Wasserfarbe, Tusche oder Öl auf unterschiedlichen Malgründen entwickelt hat, erkennt man Einflüsse aus westlichem Expressionismus aber auch aus chinesischer Xieyi Malerei. Saydi arbeitet neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch als Inhaber und Geschäftsleiter der Saydi Baumaterials Co., Ltd in Hoten.

 
Nijat Hushur, 2013, Mixmaterial auf Leinwand, 60x80cm

Nijat Hushur
Nijat Hushur wurde in einer kleinen Stadt im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang, China, geboren. Er studierte Bildende Kunst und Sprachen in Turpan, Urumqi, Beijing und Shanghai und war mehrere Jahre als Kunstpädagoge tätig. Später studierte er an der Universität der Künste in Berlin Freie Malerei und „Kunst im Kontext“. Seine Heimat war wegen der Seidenstraße, die durch das Land führte, schon von alters her ein Kreuzweg der Kulturen gewesen, und so mischen sich auch in seiner Malerei Erinnerungen an die Natur seines Heimatlandes mit Impulsen der westli- chen Kultur zu einem eigenen Stil. Auch als Fotograf und Zeichner versteht er es, das Wesen seines Volkes in Bildern einzufangen.

 


Merhaba Schaich, Timid, 2012, Tusche und Aquarell auf Leinwand, 80x60 cm

Merhaba Schaich
*1972   in Ghulja, Xinjiang (CN)

1989- 1994  Bechelor Studium an der Xinjiang Normal Universty, Academic Departments of Art in Art Education, Urumqi, China
2008 - 2013 Masterstudium Kunst und Design Vermittlung an der Fachhoch- schule Nordwestschweiz in Basel (CH)
2014 2014   Lehrerin für bildnerische Gestaltung in WBS Bäumlihof, Basel Kunstvermittlerin im Kunstraum Ateliers-Florenz, Basel (CH)

Grundfrage ihrer Malerei ist die Frage, wie man mit seinen unaussprechlichen Gefühlen malerisch kommunizieren kann. Ihre Aufmerksamkeit in der Portraitmalerei fokussiert sie dabei oft auf die hinter der Gestik oder „unter der Haut“ versteckten Emotionen. Assoziativ verbindet sie diese mit den Themen Sehnsucht und Glück, Verletzlichkeit und Selbstvertrauen. Diese betrachtet sie nicht nur als ihre persön- lichen Themen, sondern auch als ein gesellschaftliches Phänomen. Denn ob in der uigurischen oder der westlichen Gesellschaft - mit dem Phänomen des Identitäts- wandels kommt sie in beiden Welten gleichermassen häufig in Berührung.
www.merhabaschaich.ch